Nachhaltigkeit

Das Grundkonzept der Nachhaltigkeit (Englisch: „sustainability“) ist seit einigen Jahrzehnten ein ganzheitlicher Ansatz für politisches, wirtschaftliches und ökologisches Handeln. Seit den Anfängen der „Nachhaltigkeit“ wurden unterschiedliche Definitions- und Abgrenzungversuche vorgenommen, die in ihrem im Kern jedoch oft sehr ähnlich sind.

Brundtland-Report

Eine der meist gebrauchten Definitionen des Nachhaltigkeitsbegriffes ist die Definition des Brundtland-Berichtes der Vereinten Nationen von 1987.

In diesem Report wird folgende Erläuterung des Begriffes angeboten.

  • „Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“
  • Die sinngemäße Übersetzung mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit dazu ist: „Nachhaltige Entwicklung ist die Entwicklung, welche gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtig lebende.“
  • Nachhaltigkeit wird laut dieser Definition als die Art Entwicklung beschrieben, die sowohl auf die Gegenwart als auch die Zukunft – und die dann lebenden Menschen – ausgerichtet ist. In diesem Sinne ist die Definition eine Zielbeschreibung.

Allerdings bietet diese Definition auch oft Material für Diskussionen, da sie Raum für unterschiedliche Interpretationen bietet. So gibt es darin keine Erläuterung der Facetten von Nachhaltigkeit und keine Erläuterung, was denn genau zu tun sei. Das was und wie fehlen in dieser Erläuterung. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass mittlerweile diverse Definitionen in der Praxis und in der Literatur zu beobachten sind. Je nach Ursprung beziehen sich die jeweiligen Definitionen auch nur auf bestimmte Teilaspekte der Nachhaltigkeit.

Weiterentwicklung des Begriffs

Einer wirtschaftlich ausgerichteten Definition zufolge, bedeutet Nachhaltigkeit beispielsweise „[…] nicht Gewinne zu erwirtschaften, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern Gewinne bereits umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften.“ (Pufé 2014, S.16).
Dieser Erklärungsansatz ergänzt die Nachhaltigkeit neben der zeitlichen Ausrichtung und dem gesellschaftlichen Bezug um die Komponente der „Selbsterhaltung“. Entscheidend ist dabei, dass die nachhaltige Entwicklung nicht durch finanzielle Förderung unterstützt werden soll, sondern sich vielmehr selber finanzieren muss. Der nachhaltigen Entwicklung ist nicht geholfen, wenn die Mittel für Investitionen auf eine Weise gewonnen wurden, die dem Gedanken der Nachhaltigkeit widersprechen.

Ein ökologisch geprägter Erklärungsversuch erfolgte durch Herman Daly. Der ehemalige Senior Economist im Environment Department der Weltbank, nahm in Anbetracht der Definitionsflut einen Versuch vor die zentralen Elemente der Nachhaltigkeit zu präzisieren.
Dabei zog er folgende Schlüsse:
•Das Niveau der Abbaurate erneuerbarer Ressourcen, darf ihre Regenerationsrate nicht übersteigen.
•Das Niveau der Emissionen darf nicht höher liegen als die Assimilationskapazität.
•Der Verbrauch nicht regenerierbarer Ressourcen muss durch eine entsprechende Erhöhung des Bestandes an regenerierbaren Ressourcen kompensiert werden. (Hardtke/Prehn 2001, S.58)
Diese Zusammenfassung impliziert nicht nur den Schutz natürlicher Ressourcen, sondern bezieht auch die begrenzten Kapazitäten von Mensch und Natur mit ein. Anders als bei wirtschaftlichen Definitionsansätzen steht hier die Natur im Vordergrund.

Infolge der zahlreichen Definitionsversuche und Überlegungen, entwickelte der Begriff einen stark interdisziplinären Charakter. Je nach Herrkunft des Definitionsansatzes werden unterschiedliche Schwerpunkte thematisiert. Unabhängig davon ob eine ökonomisch oder ökologisch geprägte Nachhaltigkeitsdefinition vorliegt, beinhalten die meisten Definitionen die umsichtige Verwendung von Gütern um den Fortbestand einer wirtschaftlichen oder ökologischen Einheit.

Nachhaltigkeit ist all das und noch viel mehr

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ kann nicht wie andere durch eine einfache Definition umfassend und zutreffend erklärt werden. Vielmehr ist der Nachhaltigkeitsbegriff die Summe zahlreicher Definitionsansätze, welche die unterschiedlichen Elemente der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Interessanterweise überschneiden sich jedoch einige dieser Elemente, wodurch diese besonders charakteristisch sind. In den Grundsätzen der Interparlamentarischen Arbeitsgemeinschaft (IPA) heißt es beispielsweise: „Mit den sich erneuernden Hilfsquellen muss eine naturgemäße Wirtschaft betrieben werden, so dass sie nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit auch noch von den kommenden Generationen für die Deckung des Bedarfs der zahlenmäßig zunehmenden Menschheit herangezogen werden können“, (Wey 1982, S.157). Ähnlich wie die Brundtland-Definition thematisiert dieser Ansatz die Befriedigung der Bedürfnisse zukünftiger Generationen. Um diese zu ermöglichen, wird auch hier wieder ein umsichtiges Handeln mit den dazu notwendigen Gütern („Hilfsmittel“) empfohlen.

Zusammenfassung

Bei der Betrachtung weiterer Definitionsansätze können noch weitere Überschneidungen festgestellt werden. Am häufigsten fällt dabei auf, dass:

  • Nachhaltigkeit stets auf die Gegenwart und Zukunft ausgerichtet ist und somit ein zeitlicher Bezug gegeben ist.
  • Ressourcen, materielle/immaterielle Güter, ökonomische/ökologische Einheiten etc., geschützt werden sollen, insbesondere wenn diese nicht erneuerbar sind.
  • der Fortbestand eines Bezugsobjektes kurz- und langfristig sichergestellt werden soll.

Zusammengefasst kann Nachhaltigkeit somit als eine Form des ökologischen und ökonomischen Handelns verstanden werden, die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen vergleichbare oder bessere Lebensbedingungen sichern soll, indem das dazu notwendige Element sorgsame Anwendung findet und entsprechend geschützt wird. Im Zentrum der Nachhaltigkeit stehen Umwelt, wirtschaftliche und soziale Aspekte.

Beim Konzept der Nachhaltigkeit geht es weniger darum eine exakte Definition zu entwickeln sondern vielmehr, „[…] um die Bestimmung dessen, was Bestand haben soll und um die Verknüpfung der zeitlichen und räumlichen Ebene, die eine Nachhaltigkeitspolitik einzubeziehen hat. Die Grundidee basiert also auf der einfachen Einsicht, dass ein System dann nachhaltig ist, wenn es selber überlebt und langfristig Bestand hat. Wie es konkret auszusehen hat, muss im Einzelfall geklärt werden.“ (Carnau 2011, S. 14).

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By | 2016-09-14T07:11:57+00:00 September 1st, 2016|Kommentare deaktiviert für Nachhaltigkeit