Bankprojekte als Zeichen einer veränderten Erwartungshaltung der Verbraucher

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Bankprojekte als Zeichen einer veränderten Erwartungshaltung der Verbraucher

Im Nachgang zur Finanzkrise war eine neue Entwicklung im Retailbanking zu beobachten. Auch wenn sie kein Massenphänomen war, zeigte sie dennoch die veränderte Erwartungshaltung der Verbraucher an Banken. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich waren Verbraucherprojekte zur Gründung von Banken zu beobachten.

Das Projekt „DikoBank“ wurde von einem Landwirt ins Leben gerufen und war auch die Reaktion auf die fehlerhafte Zinsabrechnung der bisherigen Hausbank. Das Gründungsvorhaben wurde in 2015 in Folge der nicht erreichten erforderlichen Eigenmittel – für die Zulassung zur Gründung gemäß KWG – eingestellt und nach Angaben der Initiatoren in eine Crowdlending-Plattform umgewandelt. Das Projekt in Österreich „Projekt Bank für Gemeinwohl“ ist ebenfalls von Verbrauchern gegründet und konnte durch umfangreiche Marketingarbeit einen größeren Kreis an aktiven Unterstützern aufbauen. Dadurch konnte das Bankgründungsvorhaben bisher all seine Projektziele erreichen.

Beide Projekte habe gemeinsam, dass sie eine veränderte Erwartungshaltung an Banken zum Ausdruck bringen:  Banken sollten Kunden fair bei ihren Bedürfnissen und den damit verbundenen finanzwirtschaftlichen Fragen beraten und unterstützen. Ebenso wollten die Bürger und Kunden über die Ausrichtung und die Verhaltensweise der Bank demokratisch mitbestimmen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Projekte in der Rechtsform der Genossenschaft gegründet wurden. Die „Initiativgründungen“ bleiben zugleich aufgrund der hohen gesetzlichen Anforderungen an die Gründung und Betrieb einer Bank die Ausnahme. Auch wenn die zentrale Rechtsquelle – das Kreditwesengesetz (KWG) – für die Bankzulassung bei der Entgegennahme von Spareinlagen den erforderlichen Eigenkapital-Betrag von 5 Mio. EUR aufführt, so zeigt der Blick in den KWG-Kommentar, dass in der Praxis höhere Eigenmittel notwendig (ca. 20 bis 25 Mio. EUR – je nach Businessplan und Anlaufverluste). Daher ist die Initiativgründung von Banken auch nicht der Universalschlüssel für ein ethisches und nachhaltiges Banking, aber zumindest eine Option.

Durch die Digitalisierung und die damit verbundenen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten hat sich das Social Banking – wo Kunden sich gegenseitig in ihren Finanzgeschäften unterstützen – als eine neue Form der Durchführung des Bankgeschäftes herausgebildet. Auch wenn es derzeit – gemessen an der konkreten Kundenzahl – eher noch ein Nischendasein führt, zeigt es dennoch einen Weg, wie Banking kundenorientiert und fair funktionieren kann.

Ob diese Form des Banking als Alleinstellungsmerkmal ausreicht, muss in der Zukunft erst noch bewiesen werden. Die Erfahrungen aus dem Entstehen des Internet-Bankings gegen Ende der 90er Jahre hat zugleich gezeigt, dass „normale Banken“ innovative Vertriebs- und Kommunikationsansätze nach einigen Jahren von den Pionierunternehmen kopieren. Damit kann dann das bisherige Alleinstellungsmerkmal schnell zum „Standardangebot“ werden.

Bild: Projekt Bank für Gemeinwohl (2015) – Pressekonferenz 2015

By | 2016-05-13T07:13:30+00:00 Mai 13th, 2016|Allgemein, Ethik|0 Comments

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